Mykorrhiza-Netzwerke und die Sprache des Bodens

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Wir sprechen oft über unser Darmmikrobiom: Milliarden von Bakterien, die miteinander und mit uns kommunizieren. Was viele nicht wissen: Unter unseren Füssen existiert ein ebenso faszinierendes Netzwerk, manchmal „Wood Wide Web" genannt.

Was sind Mykorrhizen?

Mykorrhizen sind Symbiosen zwischen Pilzen und Pflanzenwurzeln. Feine Pilzfäden, sogenannte Hyphen, verbinden sich mit den Wurzeln und verlängern deren Reichweite um ein Vielfaches.

Im Austausch gegen Zucker aus der Photosynthese liefert der Pilz der Pflanze:

  • Wasser aus entlegenen Bodenschichten
  • Mineralstoffe wie Phosphor und Zink
  • Schutz vor Krankheitserregern
  • Signale über Stress in der Nachbarschaft

Kurz gesagt: Die Pflanze füttert den Pilz. Der Pilz versorgt die Pflanze. Doch wie beim Darmmikrobiom gilt: Ohne das richtige Milieu und ohne Störungen von aussen kann sich dieses Netzwerk nicht dauerhaft halten.

Ein Netzwerk wie im Darm

Genau wie Darmbakterien Nährstoffe teilen, Signalstoffe austauschen und Stoffwechselketten gemeinsam betreiben, verbinden Mykorrhizapilze einzelne Pflanzen zu einem gemeinsamen Versorgungssystem, teils über weite Distanzen und Artgrenzen hinweg. Eine einzelne Baumwurzel kann so mit Dutzenden anderen Pflanzen verbunden sein.

Vielfalt und Stabilität im Boden erzeugen ein resilienteres Gesamtsystem. Wird das Netzwerk gestört, etwa durch intensive Bodenbearbeitung, Monokulturen oder fehlende Fruchtfolgen, verliert der Boden einen wesentlichen Teil seiner Funktionsfähigkeit.

Warum Agroforst und Permakultur diese Netzwerke besonders fördern

Klassische, stark mechanisierte Anbausysteme mit häufigem Pflügen zerstören Pilzgeflechte immer wieder aufs Neue. Mykorrhizanetzwerke brauchen jedoch Zeit und Kontinuität, um sich aufzubauen.

Agroforstsysteme, bei denen Bäume, Sträucher und Ackerkulturen dauerhaft nebeneinander wachsen, bieten dafür ideale Bedingungen:

  • ganzjährige Durchwurzelung des Bodens
  • weniger mechanische Störung
  • unterschiedliche Wurzeltiefen und ein dichteres Pilzgeflecht
  • ein stabiles Mikroklima im Boden

Bäume mit ihren tiefen, mehrjährigen Wurzelsystemen wirken dabei oft wie Ankerpunkte für das gesamte Netzwerk und stellen erschlossenes Wasser und Mineralstoffe auch benachbarten Kulturen zur Verfügung.

Auch die Permakultur schafft ideale Bedingungen für ein solches Netzwerk. Hier wachsen einjährige und mehrjährige Pflanzen in Kleinbeetstrukturen dicht nebeneinander, ähnlich wie in der wilden Natur. Diese grosse Pflanzenvielfalt auf engem Raum bedeutet unterschiedlichste Wurzeltypen und -tiefen, die sich über die Pilzhyphen zu einem dichten, artenübergreifenden Netzwerk verbinden können. Wo Agroforst vor allem durch die tief wurzelnden Bäume Struktur schafft, entsteht in der Permakultur die Netzwerkdichte durch die Vielfalt der Kulturen selbst.

Was das für unsere Ernährung bedeutet

Pflanzen aus mykorrhizareichen Böden zeigen häufig:

  • eine bessere Versorgung mit Spurenelementen wie Zink, Eisen und Selen
  • eine stärkere Ausbildung sekundärer Pflanzenstoffe
  • eine robustere Abwehr gegenüber Schädlingen und damit weniger Bedarf an äusseren Eingriffen

Was im Boden als Netzwerk beginnt, setzt sich später in der Nährstoffdichte unserer Nahrung fort.

Vom Pilznetzwerk zum menschlichen Mikrobiom

Spurenelemente wie Zink und Selen sind wichtig für unser Immunsystem und beeinflussen, wie gut unsere Darmschleimhaut und unsere Darmbakterien zusammenarbeiten. Die zusätzlichen sekundären Pflanzenstoffe, die eine Pflanze durch die Mykorrhiza-Symbiose bildet, sind grösstenteils jene Polyphenole und Pflanzenstoffe, die von unseren Darmbakterien fermentiert und in bioaktive, entzündungsregulierende Verbindungen umgewandelt werden.

Damit ergibt sich eine durchgängige Kette:
Ein aktives Pilznetzwerk im Boden → eine besser versorgte, stoffwechselaktivere Pflanze → mehr bioaktive Pflanzenstoffe auf unserem Teller → mehr Substrat für ein diverses Darmmikrobiom → mehr kurzkettige Fettsäuren, eine stabilere Darmbarriere und eine ausgeglichenere Immunantwort.

Ob im Boden oder im Darm: Vernetzung schafft in beiden Systemen die Voraussetzung für Resilienz, nicht die einzelne Art oder Pflanze für sich. Wie ein Feld unter der Erde vernetzt ist, sei es durch Bäume im Agroforst oder durch Vielfalt in der Permakultur, beeinflusst also am Ende auch, wie gut unser eigenes mikrobielles Netzwerk arbeiten kann.

Ein Blick ins Feld

Wie Agroforst und Permakultur konkret aufgebaut werden und wie sich der Boden über Jahre verändert, zeigt unser Partner Jucker Farm im ergänzenden Beitrag vertieft.

  • Gesunde Netzwerke im Boden
  • Gesunde Pflanzen
  • Gesunde Mikrobiome
  • Gesunde Menschen

Der Gedanke „Vom Boden zum Darm“ ist nicht nur ein schöner Slogan – er ist ein reales, lebendiges Prinzip, das wir bei Soil to Soul leben möchten.

Deshalb freuen wir uns besonders über die Partnerschaft mit Jucker Farm. Gemeinsam setzen wir uns für eine Landwirtschaft ein, die nicht nur den Boden respektiert, sondern auch die Menschen, die von ihm leben – als Konsumentinnen ebenso wie als Produzentinnen.

Jucker Farm betreibt seit 2021 auf Teilen ihrer Flächen regenerativen Ackerbau und setzt damit ein Zeichen für lebendige Böden und zukunftsfähige Ernährung. Ihre Produkte spiegeln diesen Anspruch wider: natürlich gewachsen, im Einklang mit der Natur, voller Geschmack und voller Leben.

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Soil to Soul und Jucker Farm verbindet die gemeinsame Vision: Ernährung beginnt im Boden – und gesunde Böden sind die Grundlage für gesunde Menschen.