Landgasthof Paradiesli

Beitrag in Zusammenarbeit mit Ruhe Visits

Bodenbewusst essen gehen

Am Ufer des Walensees

Eine grün schimmernde Welt liegt vor uns. Sanft eingebettet im morgendlichen Nebel taucht der Landgasthof Paradiesli vor uns auf. Ein Pfau ruft irgendwo hinter uns. Der Blick streift über die Wälder und Felder. In der Ferne rauscht ein Wasserfall, hoch über uns.

„Willkommen in Betlis“, begrüsst uns Christine. „Noch sieht es mystisch aus, aber der Wetterfrosch hat auf den Nachmittag Sonne versprochen.“ Sie führt zusammen mit Melanie den Landgasthof, bereits in der dritten Saison.

Hier, am Fuss der Churfirsten, scheint die Zeit langsamer zu laufen. Sogar die Uhr über der Eingangstüre geht nach. Und genau so fühlt es sich auch an.

Beim Betreten der Gaststube wird man von der Wärme des Holzes empfangen. Die Fenster lassen gerade so viel natürliches Licht herein, dass eine stimmige Atmosphäre entsteht. Sie öffnen den Blick durch den Garten über den See bis ans andere Ufer.

P.S.: Eine alte Sage erzählt, die Churfirsten seien die Wirbel eines schlafenden Drachens und Betlis sein Schwanz, der sich in den See schlängelt.

Vom Garten auf den Tisch

Wir sitzen an einem der Fenstertische und beobachten, wie sich die Sonne langsam durch die Wolkenfelder drückt. Es hat aufgehört zu regnen. Eine Serviceglocke ertönt. Zwei Teller werden durch das Servicetürchen geschoben und landen zusammen mit einer grossen Schüssel Salat vor uns auf dem Tisch.

„Der Salat kommt direkt aus unserem Garten hinter dem Landgasthof“, erzählt uns Christine. „Er darf dort langsam wachsen und entwickelt dadurch ein besonders kräftiges Aroma. Und das schmeckt man einfach“, sagt sie.

Die Menükarte im Paradiesli ist dynamisch. Und das soll sie auch sein. Sie richtet sich nach dem, was der Garten gerade hergibt. „Der Garten gibt das Menü vor. Wir richten uns nach ihm und der Saison. Nicht umgekehrt“, erklärt uns Melanie später.

Der Garten ist Hamdis Reich. Seit 23 Jahren pflegt er ihn. Zuvor war er Biologielehrer im Kosovo. „Es ist schön, Wissen praktisch anzuwenden. Zu sehen, zu riechen und vor allem zu schmecken, was man macht“, sagt er und lächelt sanft.

Der Garten wirkt auf den ersten Blick wild. Doch bei genauerem Hinsehen offenbart sich eine Struktur voller Sorgfalt und Systematik. Unterschiedlichste Salatsorten, Kräuter, Früchte und weiteres Frühlingsgemüse gedeiht an jeder Ecke.

Hier wird ausschliesslich biologisch angebaut. Pestizide und Kunstdünger sind tabu. Stattdessen wird auf natürliche Methoden gesetzt. So zieren etwa Ringelblumen die Ränder der Beete, um Schnecken fernzuhalten. „Es erscheint kontrovers, aber je weniger Gift, desto weniger Schnecken kommen“, erklärt Hamdi.

Aus abgeschnittenen Pflanzenteilen und Küchenabfällen entsteht Kompost, der zu wertvollem Humus verarbeitet und wieder zu den Beten gegeben wird. Ein natürlicher Kreislauf.

Betlis hat einen Untergrund aus Fels und Gestein. Dadurch kann er nur wenig Wasser speichern. Hamdi hat dafür einen Trick: Mischt man Holzkohle unter den Humus, verbessert sich die Wasserspeicherung deutlich. Gerade in den heissen Monaten schützt das die Pflanzen vor Trockenheit.

P.S.: Ein kleiner Tipp von Hamdi. Petersilie und Schnittlauch sind keine guten Nachbarn. Besser in getrennten Töpfen pflanzen.

Die Herzen des Paradiesli

Christine ist gelernte Schreinerin und Architektin, Melanie hat Kunst studiert. Ursprünglich war Gastronomie für beide nur eine Nebensache. Bis sie zur Hauptsache wurde. Heute leiten sie gemeinsam das Paradiesli-Team, das aus rund 15 Personen besteht.

„Christine hat mich damals eingearbeitet. Sie hat nicht viel gesprochen an diesem Tag, aber am Ende war klar, dass es einfach passt“, erinnert sich Melanie lachend. In Betlis fanden sie mit dem Paradiesli den Ort, an dem ihre Vorstellungen von regionaler Küche, nachhaltiger Gastronomie und Gastfreundschaft zusammen finden.

Mit dem Landgasthof haben sie auch den Schritt von der klassischen Gastronomie in die Welt der Hotellerie gemacht. Denn das Paradiesli bietet auch Zimmer, für alle die sich hier mehr Zeit zum Verweilen geben möchten.

Ein Teil ihrer Vision ist es, natürliche Kreisläufe zu schaffen. „Wir bringen teils auch das Gemüse von hier in die Wirtschaft zum Franz, unser zweites Restaurant in Zürich. Und von dort nehmen wir wiederum Produkte ins Paradiesli mit“, erzählt Melanie.

Auch die Tiere sind ein fester Bestandteil des Hauses. Zwei Katzen, zwei Pfauen, einige Legehennen und Brahma-Hühner, eine der ältesten Hühnerrassen der Schweiz. Brahmas beanspruchen den Boden weniger stark als andere Rassen, weshalb sie die Wiese nicht ständig wechseln müssen. Die Tiere haben keine offiziellen Namen. Aber wenn, dann hätte der Pfau bestimmt einen. „Romeo würde er heissen. Er liebt es, sich selbst im Spiegel zu bewundern, bevor er seine Dame beeindruckt“, sagt Hamdi schmunzelnd. Die Tiere sind die ältesten Bewohner des Landgasthofes. Melanie und Christine gaben ihnen deshalb einen besondern Platz in ihrem Konzept. Achtet beim nächsten Besuch auf die Fahne vor dem Haus oder auf die liebevoll gestalteten Zeichnungen, die das Paradiesli schmücken.

P.S.: Die Illustrationen im Paradiesli stammen von Laura Jurt, das Grafikdesign von Anika Rosen. Einige der Bleistiftzeichnungen an den Wänden sind Werke der Zürcher Designerin Aline Telek.

© May 2025 - Text: Céline Müller, Bilder: Alina Birjuk

Dieser Beitrag ist Teil unserer Kooperation mit Ruhe Visits. Wir besuchen ausgewählte Restaurants und Produzent:innen, die sich durch ihre besonders bodenbewusste Arbeit auszeichnen und erzählen ihre Geschichten.